4. BERLINER MEDIATIONSTAG - 12. März 2010

Johan Galtung ist seit vielen Jahrzehnten als Friedensforscher und Vermittler in internationalen Konflikten tätig und bekannt.

Er prägte den Begriff der strukturellen Gewalt und des positiven Friedens und leitet das Transcend-Netzwerk für Frieden und Entwicklung.

Transcend als Methode basiert auf den Erfahrungen, die Johan Galtung in der Beilegung bzw. Bearbeitung internationaler Konflikte gewonnen hat. Sie setzt ähnlich wie die Mediation die Gleichberechtigung der Konfliktparteien voraus und hat ebenso eine faire und kreative Lösung von Konflikten zum Ziel. Zugleich unterscheidet sich die Transcend- Methode in einzelnen Punkten deutlich vom Mediationsverfahren.

Diese Unterschiede zu verstehen und einen Dialog darüber zu führen, dass ist Anliegen des 4. Mediationstages. Mit diesem Dialog wollen wir das Mediationsverfahren bereichern und entwickeln helfen.

PROF. DR. JOHAN GALTUNG,
Begründer der TRANSCEND Methode

Alle Konflikte „sind frei und gleich an Würde und Rechten“ geboren. Sie haben das Recht, bearbeitet zu werden und zwar durch „Transzendenz“ (Überschreiten) und Transformation“, so dass die Parteien in eine andere Beziehung zueinander kommen.

Konflikte sind existentiell nach Johann Galtung. Sie bestehen oft in einem Kampf ums Überleben, Wohlergehen, Freiheit, Identität, was  bedeutet, dass es in Konflikten um die Erfüllung menschlicher Grundbedürfnisse geht.

Konflikte berühren alles in uns, unsere Gefühle, Gedanken und noch mehr. Deshalb müssen alle Seiten in uns an der Lösung des  Konflikts beteiligt werden. Um zu verhindern, dass Konflikte in eine Phase der Gewalt rutschen, ist es wichtig, dass die Konfliktenergie genutzt wird, um zu kreativen Lösungen zu gelangen.

Einen solchen Dialog zu initiieren, in dem alle Parteien ihre Gedanken ausdrücken und ihre Ziele formulieren, kann zur Konflikt-
Transformation führen. Wenn Gewalt bereits stattgefunden hat, ist Versöhnung notwendig.
Dies ist ein noch komplizierterer Vorgang als die Konflikt-Transformation.

Das Wesensmerkmal der TRANSCEND Methode ist es, eine über den Konflikt hinausgehende Lösung beziehungsweise Transformation
des Konfliktes zu finden. Dazu gehört viel Kreativität, Übung im Dialog und Beharrlichkeit im weichen Verhandeln.

PROGRAMM:
Die Transcend-Methode:
Vermittlung im Konflikt

  1. Einführung in den Tag:Idee, Perspektive, Kennenlernen
  2. Die Transcend-Methode versus dem konventionellen Verfahren
  3. One-on-One Dialog
  4. Transzendenz (Überbrückung) gegenüber dem Konzept „Alle zusammen“
  5. Verhandlung
  6. Kompromiss
  7. Abschluss: Resonanz und Ausblick
Der Referent: Prof. Dr. Johan Galtung


geb 1930 in Norwegen, arbeitet und lebt als Friedens- und Konfliktforscher. Er gründete 1959 das Internationale Friedensforschungsinstitut PRIO in Oslo, das erste seiner Art in Europa. Er ist Direktor des internationalen TRANSCEND-Netzwerks für Frieden und Entwicklung und Begründer der Transcend-Methode. Im Jahr 1987 erhielt er den Alternativen Nobelpreis, 1993 den Gandhi-Preis. In über 100 Konflikten weltweit wirkte er als Vermittler, so in Sri Lanka und Afghanistan, im Nordkaukasus und in Ecuador. Er prägte den Begriff strukturelle Gewalt und war maßgeblich an der Entwicklung des Konzeptes der sozialen Verteidigung beteiligt.

Johan Galtung setzt sich darüber hinaus für eine Demokratisierung der Vereinten Nationen (UN) ein und engagiert sich für die Etablierung eines Weltparlaments. Er gehört zu den Erstunterzeichnern des internationalen Aufrufs für eine Parlamentarische Versammlung bei den Vereinten Nationen. Seit März 2009 engagiert er sich auch für das neu gegründete Russell-Tribunal zu Palästina. Johan Galtung lebt in Frankreich, Spanien, USA und Japan.